Unsere Wirbelsäule ist der zentrale Pfeiler des Körpers.
Sie trägt uns. Sie hält uns aufrecht. Sie macht Bewegung möglich.
Ohne sie könnten wir nicht stehen, nicht laufen, uns nicht drehen, nichts aufheben.
Und trotzdem besteht sie aus vielen kleinen Bausteinen: Wirbeln, Bandscheiben, Bändern und Muskeln. Gemeinsam geben sie Stabilität und Beweglichkeit.
Beides braucht es.
Eine Wirbelsäule, die nur stabil ist, wäre starr.
Eine Wirbelsäule, die nur beweglich ist, wäre instabil.
Erst das Zusammenspiel macht sie so erstaunlich.
Und sie arbeitet ununterbrochen:
Sie trägt jeden Tag das Gewicht unseres Oberkörpers. Wenn wir gehen, etwas heben oder uns bücken, wird Kraft über sie weitergeleitet und im Körper verteilt.
Im Inneren verläuft außerdem das Rückenmark – die Verbindung zwischen Gehirn und Körper. Über dieses Nervensystem werden ständig Signale gesendet: Bewegung, Wahrnehmung, Reaktion.
Die Wirbelsäule ist also gleichzeitig:
- Tragwerk
- Stoßdämpfer
- Bewegungsapparat
- Schutz für unser Nervensystem
Ein ziemlich beeindruckendes System.
Wenn die Wirbelsäule krank wird
Morbus Bechterew – medizinisch axiale Spondyloarthritis – ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Wirbelsäule und der Iliosakralgelenke (die Verbindung zwischen Wirbelsäule und Becken).
Für mich ist Morbus Bechterew nicht nur eine Diagnose – sondern auch ein neues Nachdenken über Stabilität und Beweglichkeit im Alltag.
Im Körper passiert dabei grob Folgendes:
Entzündung
Das Immunsystem verursacht Entzündungen an den Stellen, an denen Bänder und Sehnen an der Wirbelsäule ansetzen. Oft beginnt die Erkrankung in den Iliosakralgelenken.
Schmerzen und Steifigkeit
Die Entzündung führt häufig zu:
- tiefem Rückenschmerz
- Morgensteifigkeit
- Schmerzen, die sich durch Bewegung bessern
Viele Betroffene merken die Symptome besonders nachts oder früh am Morgen, wenn sich der Rücken ungewöhnlich steif anfühlt.
Verknöcherung als Reparaturreaktion
Der Körper versucht, entzündete Stellen zu stabilisieren. Dabei kann neues Knochengewebe entstehen. Bänder können verkalken, Wirbel können miteinander verwachsen.
Wenn dieser Prozess sehr ausgeprägt ist, spricht man von einer Bambuswirbelsäule, weil die Wirbelsäule im Röntgenbild wie ein starres Bambusrohr aussehen kann.
Verlust von Beweglichkeit
Mit der Zeit kann dadurch die Beweglichkeit abnehmen, sich die Körperhaltung verändern und der Brustkorb weniger beweglich werden.
Deshalb ist Bewegung bei Morbus Bechterew so wichtig – um dem Körper möglichst viel Beweglichkeit zu lassen, auch wenn er gerade etwas anderes erzählen will.
(Und ja: Das ist manchmal leichter geschrieben als gelebt.)
Ein Bild, das mir hilft
Ich stelle mir die Wirbelsäule gern wie einen flexiblen Bambusstab vor.
Stabil. Und trotzdem beweglich.
Bei Morbus Bechterew versucht der Körper, entzündete Stellen zu stabilisieren – und macht sie dabei manchmal zu fest.
Und genau da musste ich irgendwann anfangen, über etwas anderes nachzudenken.
Über das Leben.
Das Leben ist ein bisschen wie eine Wirbelsäule
Auch unser Leben braucht Stabilität. Dinge, die uns tragen.
Menschen. Routinen. Werte. Ein Zuhause.
Vielleicht auch der Mut, sich selbst treu zu bleiben.
Das sind – in meinem Bild – unsere Lebenswirbel. Sie geben Halt.
Aber genauso wichtig ist Beweglichkeit. Denn das Leben verändert sich ständig.
Kinder wachsen. Pläne verschieben sich. Und manchmal stellt der Körper plötzlich eigene Regeln auf.
Mein Körper hat irgendwann angefangen, seine eigenen Regeln zu schreiben.
Und ich musste lernen, nicht mehr gegen ihn zu arbeiten, sondern mit ihm.
Das war nicht der Plan.
Aber vielleicht ist genau das Leben.
Wenn das Leben zu starr wird
Manchmal bauen wir uns selbst eine Art inneres Korsett.
Aus Erwartungen. Aus Perfektionismus. Aus dem Gefühl, funktionieren zu müssen.
Wir bewegen uns dann immer in denselben Mustern.
Wir bleiben in Komfortzonen, die sich irgendwann gar nicht mehr wie Komfort anfühlen – eher wie ein Käfig.
Und langsam verlieren wir Beweglichkeit.
Nicht körperlich. Sondern innerlich.
Wir werden vorsichtiger. Angespannter. Kontrollierter.
So, als würde unsere Lebenswirbelsäule nach und nach versteifen.
Was ich gelöst habe – und was gerade noch da ist
In meinem eigenen Leben hatte ich lange das Gefühl, in meinen Gefühlen und Verhaltensmustern gefangen zu sein.
Als wäre da etwas in mir, das sich nicht mehr bewegen kann.
Diese inneren Fesseln konnte ich durch die Aufarbeitung meiner Prägungen Schritt für Schritt lösen. Und rückblickend glaube ich: Dass ich diesen Weg schon ein Jahr vor meinen Diagnosen gegangen bin, hat mir geholfen, die Nachricht später anders auffangen zu können.
Ich war schon auf dem Weg zurück zu mir.
Meine Diagnosen haben mich dann ein Stück vom Weg abkommen lassen.
Aber ich bin ein Freund von Umwegen. Manchmal öffnen sie Türen, die ich sonst nie gesehen hätte.
Ich werde immer auf dem Weg sein. Und ich möchte dich (euch) gern einladen, ein Stück mitzugehen.
Manche Dinge habe ich schon hinter mir. Bei anderen stecke ich noch mittendrin.
Gerade lerne ich zum Beispiel etwas sehr Konkretes:
Dass Bewegung trotz der Schmerzen sinnvoll ist.
Und gleichzeitig ist da diese Hemmschwelle in mir, sobald Bewegung mit Schmerz verbunden ist. Das ist etwas, das ich in den nächsten Wochen und Monaten angehen möchte – in kleinen Schritten, so wie es eben geht.
Beweglich bleiben
Die gute Nachricht ist:
Im Leben haben wir oft mehr Einfluss darauf als bei einer Krankheit.
Wir können innere Beweglichkeit trainieren.
Nicht mit Physiotherapie – sondern mit kleinen inneren Bewegungen.
Zum Beispiel:
- Dinge loslassen, die nicht mehr zu uns passen
- neue Perspektiven zulassen
- Hilfe annehmen
- uns selbst weniger streng bewerten
- neugierig bleiben
Meine Schreibcoachin hat einmal gesagt, Gelassenheit sei meine Superpower.
Früher hätte ich darüber wahrscheinlich gelächelt. Heute glaube ich, dass sie recht haben könnte.
Denn Gelassenheit bedeutet nicht Gleichgültigkeit.
Sie bedeutet, den Dingen Raum zu geben, ohne sofort dagegen anzukämpfen.
Vielleicht ist genau das eine Form von innerer Beweglichkeit.
Wenn du dich darin wiedererkennst
Vielleicht fühlst auch du dich in deinen Gefühlen und Verhaltensmustern gefangen. Wenn das so ist, möchte ich dir (ganz ohne Druck) das Coaching von Ramón Schlemmbach und Team ans Herz legen.
Ich wünschte manchmal, ich hätte dieses Verständnis schon mit Anfang 20 gehabt. So vieles wäre leichter gewesen. Gleichzeitig weiß ich auch: Mein Weg ist eben mein Weg.
Was ich aber sicher sagen kann: Durch diese Arbeit hat das Leben für mich wieder eine Leichtigkeit bekommen – eine, die mir hilft, die Last meiner Diagnosen ein Stück leichter zu tragen. Und rückblickend war sie auch früher schon da: als ich bewusster wurde, verbundener. Nicht perfekt. Aber mehr bei mir.
Und wenn ich mich heute getriggert fühle (ja, das passiert immer mal wieder), kann ich eher innehalten, hinschauen und verstehen, was da gerade berührt wird. Das verändert etwas. Und es fühlt sich nach Befreiung an.
Wenn du Fragen zu dem Coaching oder dem Team rund um Ramón hast, melde dich gern bei mir.
Und wenn du Tipps hast, wie man trotz Schmerzen in Bewegung kommen kann, freue ich mich auch sehr, von dir zu hören.
Vielleicht ist das meine sanfte Rebellion
Meine Diagnosen haben mir etwas gezeigt, das ich früher nicht sehen wollte:
Das Leben lässt sich nicht komplett kontrollieren.
Aber wir können lernen, anders damit umzugehen.
Mit etwas mehr Gelassenheit. Mit etwas mehr Weichheit.
Und vielleicht auch mit dem Mut, unser Leben immer wieder ein kleines bisschen neu zu bewegen.
Damit unsere Lebenswirbelsäule stabil bleibt –
aber niemals starr.
Ich lerne das noch. Jeden Tag ein bisschen.
Und vielleicht ist genau das die eigentliche Beweglichkeit im Leben.
Vielleicht bedeutet Heilung nicht immer, dass etwas verschwindet.
Vielleicht bedeutet sie manchmal einfach,
dass wir wieder beweglich werden.
Wenn du dich zwischendurch selbst verlierst: Hier sind Texte, die dich leise zurück zu dir begleiten – Schritt für Schritt, ohne Zielgerade.
Wenn du gerade etwas Handfestes brauchst, das den Tag ein bisschen bewohnbarer macht: Hier findest du kleine Werkzeuge und sanfte Orientierung.
Wenn du magst, begleite ich dich auch zwischen den Texten.




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