Warum mein Leben ein Mosaik ist

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Heute Morgen unter der Dusche, als warmes Wasser über meinen Rücken lief und ganz vorsichtig versucht hat, etwas von der Steifigkeit der Nacht wegzuspülen, dachte ich nur: Ich würde mich am liebsten wieder ins Bett legen.

Ich war die Einzige, die wach war – weil ich weiß, was morgens alles erledigt werden muss, bevor Schule und Kindergarten losgehen. Alle anderen haben noch geschlafen. Und ganz ehrlich: Mein Körper hätte auch nichts gegen eine Stunde mehr Schlaf gehabt.

Und trotzdem gibt es diese Zeiten, in denen ich funktioniere. Nicht weil ich es „sollte“. Sondern weil niemand einfach kurz übernimmt. Weil das Leben eben gerade so ist.

In solchen Momenten begegnen sich in mir zwei Anteile.

Da ist der Anteil, der Verbindung ist – Liebe, Nähe, dieses „Ich will das für meine Jungs machen“. Und da ist der Anteil, der meinen Körper achten möchte. Der zuhört. Der Grenzen spürt.

Manchmal ist der Anteil von Verbindung einfach größer. Nicht als Entscheidung gegen mich – eher als Priorität für einen bestimmten Moment. Und sobald die Kinder abgegeben sind, kann ich den Körper-Anteil wieder ein Stück nach oben drehen.

So verändert sich die Gewichtung meiner inneren Anteile über den Tag. Manche ergänzen sich fast mühelos. Andere stehen in starkem Kontrast zueinander und brauchen mehr Aufmerksamkeit, um nebeneinander bestehen zu können.

Ich empfinde das selten als Kampf. Eher als ein inneres Aushandeln. Wie ein Kompromiss, getragen von dem Wissen: Ich versuche wirklich, allen ihren Platz zu geben.


Innere Anteile im Alltag: Warum ich mich manchmal wie „viele“ fühle

Dadurch entsteht manchmal das Gefühl, dass ich nicht nur eine Person bin – sondern viele, je nach Kontext.

Nicht im Sinne von „zerrissen“. Eher wie ein Mosaik: ein Bild aus vielen Steinen, das Stück für Stück wächst. Manchmal kommt ein neues Teil dazu. Manchmal tauscht sich eines aus. Und trotzdem bleibt es dieses große, stimmige Gesamtbild, das mich als Mensch ausmacht.

Und ich mag die Vorstellung, dass dieses Bild nicht fertig sein muss.

Wenn ich mein Mosaik innerlich wahrnehme, ist da vor allem eins: ein Leuchten. Es besteht aus allen Farben des Regenbogens – wie das Leben selbst aus so vielen Facetten besteht. Dieses Leuchten sitzt für mich mitten in der Brust. Wie ein Leuchtturm. Wie ein Licht, das mir den Weg weist.

In meinem Mosaik sind auch meine Werte verankert. Und die wichtigsten Steine meines inneren „Sonnensystems“ sehe ich in Pastell: sanft, aber stark. Enablement und Zuversicht strahlen dabei in einem wunderbaren Gold um die Wette.

Ich sehe nichts davon als matt. Alles glänzt für mich. Es gehört zu mir.

Dieses Mosaik bin ich – und es darf leuchten. Genauso, wie es ist.


Welche Anteile gerade in mir leben

Im Moment spüre ich diese Anteile besonders deutlich:

  • Wirksamkeit – ich möchte gestalten, etwas bewegen, etwas hinterlassen (Blog, Podcast, vielleicht ein Buch)
  • Verbindung – echte Nähe, mit meinen Kindern und mit anderen Menschen (Mama sein, Partnerin sein)
  • Selbstfürsorge – Grenzen sehen, Rückzug, Ruhe, Pausen, auch mal Nein
  • Präsenz – dieses „today is a gift“, Verspieltheit, Leichtigkeit, im Moment sein
  • Struktur – Sicherheit, Regulation, Dinge machbar machen (auch fürs Nervensystem)
  • Wissen & Verstehen – Zusammenhänge erkennen, dem Körper zuhören lernen, Bedeutung finden (nicht als Optimierung, eher als Wachstum: Was ist innerhalb dieses Rahmens möglich?)

Mein aktuelles „Tortendiagramm“ (eine Momentaufnahme)

Wenn ich heute ehrlich hinschaue, würde ich es ungefähr so beschreiben:

  • Wirksamkeit / Verantwortung: ca. 30 %
  • Verbindung: ca. 20 %
  • Wissen & Verstehen: ca. 15 %
  • Selbstfürsorge: ca. 10–15 %
  • Präsenz: ca. 10 %
  • Struktur: ca. 5–10 %

Je nach Tag sieht das anders aus. Manchmal ganz bewusst. Oft auch unbemerkt – bis der Körper oder das Leben kurz anklopft.

Und wenn ich das so aufschreibe, merke ich: Es geht mir nicht darum, dass alles „gleich groß“ sein müsste. Es geht eher um die Frage:

Entspricht das gerade dem, was mir wichtig ist?
Nicht als Ideal. Sondern als ehrlicher Blick.

Man könnte dieses Bild auch als Ikigai sehen, in dessen Zentrum Nina steht.

Beides kann tragen. Und in beiden Fällen bleibt es für mich eine weiche Frage, die immer wiederkommen darf.


Wenn Erschöpfung laut wird: Wie Anteile miteinander ringen können

Wenn mich im Laufe des Tages die Erschöpfung einholt, wird der Selbstfürsorge-Anteil manchmal plötzlich sehr laut – besonders dann, wenn er vorher zu wenig Raum bekommen hat.

Und wenn das am Nachmittag passiert, kann es sein, dass er sich gegen meinen Verbindungs-Anteil stellt, der Zeit mit meinen Kindern möchte.

Früher hätte ich sofort gesagt: Der Anteil, den ich am meisten übergehe, ist Selbstfürsorge. Das fühlt sich heute anders an – weil ich Wege gefunden habe, Anteile miteinander zu verbinden.

Wenn ich körperlich einen schlechten Nachmittag habe, bin ich eben horizontal bei meinen Kindern dabei. So bekommt Verbindung Raum – und Selbstfürsorge auch.


Wenn Anteile sich verbinden: Selbstfürsorge ist manchmal auch Verstehen

Ich merke immer mehr, wie sehr manche Anteile miteinander nach Hause finden.

Zum Beispiel: Selbstfürsorge und Wissen & Verstehen.
Mehr über meine Krankheiten zu lernen – durch Lesen oder durch die Geschichten anderer – hilft mir ganz konkret, achtsamer mit mir und meinem Körper umzugehen. Solche kleinen „Info-Sessions“ fühlen sich für mich deshalb oft wie Selbstfürsorge an. Nicht, weil ich alles kontrollieren müsste. Sondern weil es mir hilft, mich besser zu halten.

Ähnlich ist es mit Verbindung: Zeit mit den Menschen in meinem Leben zu verbringen, gibt mir Energie. Und damit läuft es für mich auch unter Selbstfürsorge. Nicht als Pflichtprogramm. Sondern als etwas, das mich auflädt.

Und Präsenz und Verbindung liegen sowieso ganz nah beieinander. Wenn ich mit Menschen wirklich präsent bin, empfinde ich die Verbindung tiefer – und tue damit wiederum auch etwas für mich.

Während ich das so aufschreibe, finde ich es schön, festzustellen, wie sehr diese Anteile miteinander verwoben sind. Wie sie – wie in einem echten Mosaik – gerade in der Verbindung zu etwas Größerem werden.

Einem einzigartigen Bild.

Und wir alle haben unterschiedliche.

Das ist ein so wundervoller Gedanke. Stell dir nur all das Leuchten vor.


Präsenz als Lichtinsel: Was sich durch Diagnosen verändert hat

Ein Anteil, der lange eher nur ein Wort war – Achtsamkeit / Präsenz – hat durch meine Diagnosen einen ganz anderen Stellenwert bekommen.

Ich bin mittlerweile mit viel Freude im Moment. Ich beobachte glückliche Momente. Ohne Handy in der Hand. Ich sauge sie auf. Und es ist, als wäre das eine Form von Energie, die mich sehr trägt.

Nicht als „immer gut drauf“. Sondern als: Da ist etwas, das gerade da ist – und ich darf es wirklich spüren.


Zuversicht: meine heimliche Superkraft

Und dann ist da noch etwas, das Menschen um mich herum manchmal meine Superkraft nennen: Zuversicht.

Ich glaube, meine DNA ist davon geprägt. Zuversicht hilft mir, in Situationen einen Blick auf Möglichkeiten zu behalten. Nicht im Sinne von „alles ist immer gut“. Das ist es nicht. In keinem Leben.

Eher im Sinne von:
Was ist innerhalb dieses Rahmens möglich?

Und ja: Natürlich hadere ich auch. Ich zweifle. Ich bin erschöpft. Ich bin wütend auf meine Diagnosen. Ich ringe mit Akzeptanz.

Aber diese Zuversicht hilft mir oft, wieder herauszufinden – nicht indem sie Gefühle wegdrückt, sondern indem sie den Ist-Zustand neu einordnet. Mich zum Beispiel nicht über Krankheit zu definieren, sondern sie als Teil meines Mosaiks zu sehen.

Die Krankheiten sind da.
Aber sie sind nicht das ganze Bild.


Enablement: Raum schaffen für mich – und für andere

Wenn ich noch eine Ebene höher schaue, steht da für mich ein Begriff: Enablement.

Das ist ein schönes Wort aus dem Englischen, für das es im Deutschen keine direkte Übersetzung gibt. Für mich steckt darin: bestärken, ermächtigen, ermöglichen.

Es kann heißen, dass ich mir selbst Raum gebe – um Dinge zu tun, die mir gut tun. Um zu wachsen. Oder auch um zu trauern. Wir tragen doch alle etwas in uns, das uns immer wieder daran erinnern kann, dass unsere Anteile Raum bekommen dürfen. Den Raum, den sie brauchen.

Und gleichzeitig bedeutet Enablement für mich auch, genau das für andere zu tun.

Manchmal ist das Leben so, dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Und der eigene Weg wird plötzlich schwerer zu gehen. Dann kann eine helfende Hand unterstützen – nicht, um den Weg abzunehmen, sondern um ihn wieder sichtbarer zu machen.

Und es würde mich ungemein freuen, wenn ich für einige Menschen diese helfende Hand sein darf: aktuell in Form meines Blogs, bald in Form eines Podcasts – und irgendwann vielleicht auch in Form eines Buches, eines Workshops oder etwas, das ich heute noch gar nicht sehen kann.

Denn der Anteil von Wirksamkeit und Verantwortung lebt stark in mir. Und er verbindet sich immer wieder mit meinen anderen Anteilen genau in den Momenten, in denen ich merke: Da ist etwas bei jemandem leichter geworden. Oder dann, wenn eine neue Idee entsteht.

Wenn Enablement meine innere Sonne ist, mit Zuversicht im Zentrum, dann sind meine Anteile die Planeten, die darum kreisen. Alles greift ineinander. Und irgendwie hält es dieses System am Leben.


Und jetzt du: Welche Anteile leben in dir?

Vielleicht magst du dir diese Frage auch einmal stellen:

Welche Anteile leben in dir?
Und: Wie viel Raum bekommen sie gerade wirklich?

Nicht als Bewertung.
Sondern als liebevoller Blick.

Ein kleines Staunen über deinen eigenen Bauchladen.
Über alles, was da ist.


Ich glaube inzwischen nicht mehr daran, dass wir uns auf eine einzige Rolle oder Version von uns reduzieren müssen. Unter Identität, Grenzen & Werte habe ich weitere Texte darüber gesammelt, wie unterschiedliche Anteile, Bedürfnisse und Werte miteinander Teil eines stimmigen Ganzen werden können.


Wenn du magst, begleite ich dich auch zwischen den Texten.

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● ÜBER MICH

Hi, ich bin Nina.

Mama von zwei Jungs, mit einem Körper, der seine ganz eigenen Regeln hat, und vielen Fragen an das Leben.

Auf Die sanfte Rebellion schreibe ich über das, was mich beschäftigt: chronische Krankheit, Beziehungen, Grenzen, Veränderungen und die kleinen Dinge, die das Leben heller machen.

Manchmal persönlich, manchmal nachdenklich, manchmal ganz praktisch. Nicht, weil ich auf alles eine Antwort habe, sondern weil ich selbst noch mittendrin bin.

Ich schreibe neben dir.

Alles kann, nichts muss.

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