Ich möchte meinen Kindern nicht beibringen, dass Liebe Selbstaufgabe bedeutet

In den letzten Monaten hatte ich immer häufiger das Gefühl, dass mein Leben äußerlich noch funktioniert — innerlich aber etwas nicht mehr mitgeht.

Auch meine Tarotkarten haben mich immer wieder dazu aufgefordert, für die Antworten, die ich suche, nach innen zu gehen. Und dort habe ich irgendwann diesen Satz gefunden:

Ich glaube, ich kann so nicht mehr weitermachen.

Nicht dramatisch.
Nicht laut.
Eher leise. Erschöpft. Ehrlich.

Ein Leben, das nach außen ganz normal wirkt

Ich glaube nicht, dass wir ein besonders ungewöhnliches Leben geführt haben. Ehrlich gesagt glaube ich, dass viele Familien heute genau so leben.

Wir sind eine Familie mit zwei kleinen Kindern. Unsere Kinder sind drei und sechs Jahre alt. Wir leben in England, aber unser Alltag ist vermutlich ziemlich normal: morgens die Kinder versorgen und in Schule und Vorschule bringen, arbeiten, nachmittags wieder abholen, den Alltag organisieren, an Termine denken, Einkaufslisten, Arztbesuche, Geburtstage und all die unsichtbaren Dinge, die Familien am Laufen halten.

Und oft hat man das Gefühl, alles gleichzeitig tragen zu müssen.

Bei uns kommt noch hinzu, dass Krankheit und Überforderung nicht einfach Nebenthemen sind. Ich lebe mit mehreren chronischen Erkrankungen, unter anderem Morbus Bechterew, Fibromyalgie, Endometriose und einer undifferenzierten Autoimmunerkrankung. Mein Mann lebt mit ADHS. Das beeinflusst nicht nur unseren Alltag, sondern manchmal auch unsere Kommunikation — besonders dann, wenn beide Nervensysteme gleichzeitig am Limit sind.

Dann wurde es manchmal laut. Schneller, als wir es eigentlich wollten.

Was lange wie Stärke aussah

Lange Zeit dachte ich, Stärke bedeutet, trotzdem weiterzumachen.

Auch mit Schmerzen.
Auch mit Fatigue.
Auch mit einem Nervensystem, das nie wirklich zur Ruhe kommt.
Auch dann, wenn mein Körper längst versucht hat, mir zu zeigen, dass ich zu weit gehe.

Denn theoretisch konnte ich alles schaffen.

Nur hat lange niemand darüber gesprochen, welchen Preis ich dafür bezahlt habe.

Ich war nicht nur gut darin, vor anderen zu maskieren. Ich war auch sehr gut darin geworden, vor mir selbst zu maskieren.

Irgendwann hatte ich das Gefühl, nur noch dafür zuständig zu sein, alles am Laufen zu halten. Und damit meine ich nicht nur das Sichtbare. Sondern auch das, was oft im Verborgenen liegt:

Verantwortung tragen.
Emotional für alle mitdenken.
Entscheidungen treffen — egal wie groß oder klein.
Das Familienleben organisieren.
Durchhalten, obwohl meine eigenen Batterien längst leer sind.
Die Vernünftige sein, obwohl mein Nervensystem selbst am Limit ist.

Wenn Liebe sich nicht mehr wie Liebe anfühlt

Dieses Gefühl hat sich irgendwann nicht mehr nach der Art von Liebe angefühlt, an die ich glaube.

Und genau das beschäftigt mich so sehr im Hinblick auf meine Kinder.

Ich wünsche mir für sie später Beziehungen, in denen sie sich sicher, gesehen, respektiert und emotional verbunden fühlen dürfen. Beziehungen, in denen sie bei sich selbst bleiben können, ohne sich dafür selbst zu verlieren.

Ich möchte nicht, dass sie von mir lernen, dass Liebe Selbstaufgabe bedeutet.

Sie sollen nicht lernen, dass Liebe heißt, dauerhaft gegen sich selbst zu leben, bis irgendwann nichts mehr geht.

Wie Überforderung sich bei uns gezeigt hat

Ich glaube heute nicht mehr, dass einer von uns der Böse war. Ich glaube, wir waren beide überfordert.

Wir haben über lange Zeit eher nebeneinander gelebt als wirklich miteinander. Es gab kaum noch echte Unterhaltungen. Vieles drehte sich nur noch darum, was organisiert, entschieden oder geschafft werden musste. Und weil wir beide so oft am Limit waren, sind Situationen schneller eskaliert, als wir es uns eigentlich gewünscht hätten.

Manchmal auch vor den Kindern.

Das auszusprechen tut weh, weil wir beide das nicht wollten. Und trotzdem ist es passiert. Nicht unbedingt, weil wir uns absichtlich verletzen wollten — sondern weil zwei erschöpfte Menschen einander irgendwann nicht mehr gut halten konnten.

Er war in seinem Hamsterrad aus Arbeit gefangen, ich in meinem Hamsterrad aus Krankheit, Verantwortung und Überforderung. Und ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass das nur unsere Realität ist. Ich glaube, viele Familien leben heute genau so.

Kontrolle ist nicht dasselbe wie Sicherheit

Lange habe ich versucht, die Situation zu kontrollieren.

Denn solange das Nervensystem im Schutzmodus ist, sucht es oft nach klaren Kategorien: sicher oder gefährlich, bleiben oder gehen, richtig oder falsch.

Ich glaube heute, dass mein Nervensystem damals vor allem eines gesucht hat: Sicherheit.

Und Kontrolle hat sich für mich wie Sicherheit angefühlt.

Erst als ich begonnen habe, mich wirklich mit meinen Grenzen zu beschäftigen, wurde mir klar, wie wenig ich meine eigenen Bedürfnisse eigentlich wahrgenommen habe. Ich habe inzwischen ein Ampelsystem für meine Grenzen entwickelt. Lange dachte ich, Grenzen seien etwas, das Menschen voneinander trennt. Heute glaube ich, dass gesunde Grenzen echte Nähe überhaupt erst ermöglichen.

Grenzen bedeuten nicht: Ich liebe dich nicht mehr.
Manchmal bedeuten sie: Ich möchte, dass wir beide langfristig gesund bleiben.

Warum Grenzen so schwer waren

Aber noch wichtiger war die Frage dahinter:

Warum fällt es mir überhaupt so schwer, Grenzen zu setzen?

Die Antwort darauf war schmerzhaft.

Weil ich früh gelernt habe, dass Harmonie wichtiger ist als meine Gefühle.
Dass Verantwortung Sicherheit schafft.
Dass ich vernünftig sein muss.
Dass Bedürfnisse Schuldgefühle auslösen.
Dass ich funktionieren muss, damit alles stabil bleibt.

Und irgendwann beginnt man, sich selbst dabei zu verlieren.

Mein Körper wusste es früher als ich

Nicht der Stress allein hat mich krank gemacht. Das wäre zu simpel. Aber ich glaube, mein Körper ist irgendwann an einen Punkt gekommen, an dem er nicht mehr bereit war, alles alleine weiterzutragen.

Da war der Teil von mir, der immer weiter funktioniert hat.
Und da war der Teil, der die Krankheit getragen hat.

Beide waren irgendwann erschöpft.

Meine Zusammenbrüche waren oft nicht laut. Sie waren körperlich. Dann ging einfach nichts mehr. Mein Nervensystem war dauerhaft angespannt, echte Regulierung gab es kaum noch. Mein Körper hat mir schon lange Signale geschickt — aber entweder konnte ich sie nicht richtig wahrnehmen, oder meine Gefühle brauchten länger, um die Botschaft wirklich zu verstehen.

Vielleicht war genau das eine der wichtigsten Erkenntnisse für mich:

Etwas schaffen zu können bedeutet nicht automatisch, dass es gesund oder nachhaltig für mich ist.

Die Wahrheit wurde komplexer

Ich glaube, das war auch der Punkt, an dem ich manches in meiner Beziehung anders zu sehen begann.

Mein Mann hat oft zu mir gesagt, dass ich mich überfordere. Lange habe ich das als Angriff verstanden. Als würde er mich klein machen wollen. Als würde er wollen, dass ich mich kränker fühle, als ich bin.

Heute glaube ich, dass die Wahrheit komplexer ist.

Nicht alles war okay.
Nicht jede Kommunikation war gut.
Wir haben einander verletzt.

Aber ich glaube nicht mehr, dass einer von uns der Böse war.

Ich glaube, wir waren beide überfordert. Zwei Menschen, die über lange Zeit versucht haben zu überleben — und sich dabei mehr verletzt haben, als sie eigentlich wollten.

Und trotzdem ist da noch Liebe.

Nicht die romantisierte Version von Liebe, die alles rettet. Sondern eher die ehrliche Erkenntnis, dass Beziehungen nur dann gesund sein können, wenn beide Menschen sich sicher fühlen dürfen.

Auch er darf sich sicher fühlen.
Und ich darf lernen, meine körperlichen Grenzen ernst zu nehmen.

Was ich meinen Kindern vorleben möchte

Ich versuche gerade nicht mehr zu glauben, dass es egoistisch ist, mich selbst zu priorisieren.

Ich möchte ein Leben führen, in dem ich mich nicht ständig wieder von mir selbst entferne.

Denn irgendwann habe ich verstanden, dass Kinder nicht nur Sicherheit brauchen — sondern auch Eltern, die sich selbst nicht vollständig verlieren.

Vielleicht ist das einer der wichtigsten Sätze dieses Textes für mich:
Ich möchte meinen Kindern nicht beibringen, dass Liebe Selbstaufgabe bedeutet.

Sondern dass Liebe auch heißen darf:
bei sich zu bleiben,
ehrlich zu sein,
Grenzen ernst zu nehmen,
und sich nicht erst ganz zu verlieren, bevor man merkt, dass etwas nicht mehr trägt.

Und jetzt?

Veränderung: ja.
Mit der Zeit vielleicht auch so etwas wie Heilung — oder zumindest mehr Ehrlichkeit.

Vielleicht geht es gar nicht darum, wieder die Frau zu werden, die alles geschafft hat. Vielleicht geht es eher darum, ehrlich zu werden über das, was mich zerstört — und über das, was mich trägt.

In mir wird gerade wieder etwas lebendig.

Nina kommt langsam wieder zum Vorschein. Sie möchte schreiben, kreativ sein, Sinn finden, Menschen helfen und immer wieder in Verbindung mit sich selbst gehen.

Da ist auch wieder dieser Teil in mir, der gestalten möchte. Der etwas Eigenes aufbauen möchte. Nicht nur aus Ehrgeiz — sondern aus dem Wunsch nach Stabilität, Freiheit und Sicherheit.

Ich kenne die Antworten noch nicht auf alles.
Ich weiß nicht, wie unsere Zukunft aussehen wird.
Ich weiß nicht, welche Entscheidungen wir treffen werden.
Ich weiß nicht, wie viel Heilung möglich ist.

Aber ich glaube zum ersten Mal seit langer Zeit, dass Ehrlichkeit vielleicht ein besseres Fundament ist als bloßes Funktionieren.

Und vielleicht beginnt genau dort echte Veränderung.


Wenn du magst, begleite ich dich auch zwischen den Texten.

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ÜBER MICH

Hi, ich bin Nina –
Mama von zwei Jungs, mit einem Körper, der seine ganz eigenen Regeln hat,
und deine Begleiterin bei Die sanfte Rebellion.

Ich stehe selbst noch mitten im Prozess – auf meinem Weg zurück zu mir, zu mehr Echtheit, innerer Ruhe und einem Leben, was sich wieder stimmig anfühlt.
Dieser Blog ist mein Raum, um zu teilen, zu lernen und zu wachsen. Ein kleines Stück Rebellion gegen das reine Funktionieren, gegen das permanente „Müssen“ – und für ein Leben, das sich wieder echt anfühlen darf.

Hier findest du ehrliche Reflexionen, sanfte Inspiration und kleine, alltagstaugliche Schritte, die dich dabei begleiten, wieder bei dir selbst anzukommen. Ohne Perfektion – aber mit ganz viel Herz.

Vielleicht bist du hier, weil du dich nach einem Ort sehnst, an dem du nicht zuerst erklären musst, warum du müde bist.
Ein Ort, an dem du nicht „besser werden musst“, um willkommen zu sein.

Die sanfte Rebellion ist für mich kein lautes Dagegen, eher ein Zurück:
zurück in den Körper, zurück in ein Leben, das sich für dich wahr anfühlt.
Und es ist ein Mit:
mit dir – und allem, was dazu gehört -auf einer Reise zurück zu dir selbst.

Ich schreibe neben dir.
Ohne schnelle Lösungen, ohne Druck. Eher wie eine leise Umarmung: da, wenn du sie brauchst.

Du darfst mitnehmen, was dich stärkt und den Rest hier lassen. Alles kann, nichts muss.

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