Ein persönlicher Weg zwischen Mutterschaft, Krankheit und dem Wunsch, wieder ich selbst zu sein

Warum ich diesen Text heute noch teile

Diesen Beitrag habe ich im November geschrieben – in einer Phase, in der ich mich selbst kaum noch greifen konnte. Aus Erschöpfung heraus, aus innerer Unruhe und aus dem Gefühl, irgendwo zwischen all meinen Rollen langsam zu verschwinden.

Mittlerweile haben wir Januar. Und obwohl sich seither einiges bewegt hat, möchte ich diese Gedanken bewusst stehen lassen. Nicht, weil sie nicht mehr gelten, sondern weil sie Teil meines Weges sind.

Sie zeigen, wie schwer es sein kann, nach einer langen Auszeit wieder in einen geregelten Arbeitsalltag einzusteigen. Und zwar nicht nur für eine Mama mit chronischer Erkrankung – sondern für jeden Menschen, der über Jahre hinweg keinen festen beruflichen Rahmen hatte und sich erst wieder neu sortieren muss.

Wenn das Leben dich verändert – und du dich selbst dabei verlierst

Ich hatte in meinem Leben schon einige einschneidende Erlebnisse, die mich verändert haben. Meine Karriere, die verschiedenen Firmen, für die ich gearbeitet habe, die Umzüge in neue Städte – all das hat Spuren hinterlassen.

Doch die tiefgreifendsten Veränderungen kamen mit meiner Familie. Neun Jahre Ehe, zwei Kinder, und jedes dieser Kapitel hat mich auf seine eigene Weise geprägt.

Nichts jedoch hat mich so sehr herausgefordert wie meine unsichtbare Erkrankung. Eine Krankheit, die man mir oft nicht ansieht, die aber mein Leben und das meiner Familie grundlegend verändert hat. Meine Gesundheit ist inzwischen zum Dreh- und Angelpunkt geworden – nicht nur für mich, sondern auch für meinen Mann und meine Kinder.

Der Wunsch, wieder ich selbst zu sein – jenseits von Mutterrolle und Krankheit

Kurz nach meiner Diagnose dachte ich, dass vielleicht genau jetzt der richtige Moment wäre, wieder zu arbeiten. Nach fast fünf Jahren ohne festen Job – nur mit kleinen Projekten zwischendurch – sehnte ich mich danach, wieder Nina zu sein.

Jenseits der Rollen als Mama und Ehefrau. Jenseits von Arztterminen, Symptomen und Rücksichtnahme.

Ich wollte wieder jemand sein, der für seinen Beitrag gesehen wird, der etwas bewegen kann und auch dafür entlohnt wird. Denn so wertvoll Kindererziehung und Familienarbeit sind – sie bleiben oft unsichtbar. Kaum jemand sieht die emotionale Arbeit, die täglich geleistet wird.

Dieses Projekt versprach Flexibilität, Sinn und Vereinbarkeit. Zumindest in der Theorie.

Arbeiten nach langer Pause – warum es sich oft schwerer anfühlt als gedacht

Ich bin ein loyaler Mensch. Wenn ich etwas zusage, möchte ich es gut machen.

Und so merkte ich schon nach wenigen Wochen, wie sich ein inneres Spannungsfeld aufbaute. Ich hatte das Gefühl, weder meinem Auftraggeber noch meinen Kindern noch mir selbst gerecht zu werden. Während der Herbstferien arbeiteten mein Mann und ich beide, ich jonglierte zwischen Laptop, Haushalt und Familienalltag.

Dabei gab mir mein Auftraggeber völlige Freiheit. Niemand machte Druck, niemand kontrollierte meine Arbeitszeiten. Und trotzdem war der Druck da.

Also begann ich mich zu fragen, ob die Arbeit mich tatsächlich überforderte – oder ob ich selbst diejenige war, die den Anspruch immer weiter nach oben schraubte.

Arbeiten wollen oder arbeiten müssen – eine innere Zerreißprobe

Ich bin in der komfortablen Situation, nicht arbeiten zu müssen. Und dennoch wollte ich es unbedingt.

Ich wollte unabhängig sein, meinen eigenen Beitrag leisten, wieder ein Gefühl von Selbstwirksamkeit spüren. Gleichzeitig meldete sich mein Körper immer deutlicher. Im November stand ich kurz davor, alles hinzuschmeißen.

Mit der Vorweihnachtszeit vor der Tür und wenig Raum für echte Erholung schien Aufhören plötzlich die vernünftigste Lösung zu sein.

Erschöpfung im Alltag – wenn Energie für das Wesentliche fehlt

Ich wusste, dass meine Kinder nie wieder so klein sein würden wie jetzt. Und dennoch verpasste ich in dieser Zeit gemeinsame Abendessen.

Nach dem Ins-Bett-Bringen war ich oft zu müde, um weiterzuarbeiten – oder wirklich zur Ruhe zu kommen. Meine Schlafqualität verschlechterte sich, ich wurde gereizter und ungeduldiger. Und genau das tat mir am meisten weh.

Denn ich wollte präsent sein. Liebevoll. Ansprechbar.

Schreiben als Selbstregulation und innerer Anker

Das Schreiben wurde in dieser Phase mein Anker.

Es half mir, Gedanken zu sortieren und Gefühle zu verstehen. Immer wieder stellte ich mir dieselbe Frage:
Was tue ich, wenn genau die Arbeit, die ich eigentlich liebe, mich krank macht?

Ist der richtige Schritt Rückzug – oder ein anderes Gestalten?

Was sich verändert hat – aushalten, ehrlich sein, neu ausrichten

Heute, im Januar, kann ich sagen, dass ich sehr froh bin, diese Phase nicht vorschnell beendet zu haben.

Ich habe sie ausgehalten. Und ich habe ein offenes, ehrliches Gespräch mit meinem Auftraggeber geführt – über meine Grenzen, darüber, was realistisch möglich ist und was nicht.

Und plötzlich wurde klar: Vieles von dem Druck war vor allem in meinem eigenen Kopf entstanden. In der realen Welt war es kein Thema.

Seitdem habe ich wieder in eine Routine gefunden. Das Gefühl von Zerrissenheit ist leiser geworden. Die Arbeit macht mir Freude – so sehr, dass ich sie nicht mehr missen möchte.

Sie hat mir geholfen, einen großen, verloren geglaubten Teil von mir wiederzuentdecken. Und sie hat dazu beigetragen, dass meine Gesundheit nicht mehr alles dominiert, sondern ihren Platz im Leben einnimmt.

Leben mit chronischer Krankheit – der Weg bleibt, aber ich bin nicht mehr verloren

Natürlich gibt es weiterhin Phasen, in denen mich ein Schub aus der Bahn wirft. Auch eine scheinbar normale Erkältung kann sich in meinem Körper ganz anders anfühlen.

Gerade merke ich zum Beispiel, wie schwer mir das Stehen fällt. So schlimm war es zuletzt vor meiner Diagnose. Der Unterschied heute ist: Ich weiß, woher es kommt – und kann besser damit umgehen.

Mein Körper und ich, wir sind noch im Einpendeln. Und das wird Zeit brauchen.

Ich lerne jeden Tag dazu und bin dankbar für all die Ressourcen, die es inzwischen gibt – Bücher, Podcasts, Angebote, die zeigen: Ich bin nicht allein damit.

Hier möchte ich zwei dieser Ressourcen, die ich gerade neu entdeckt habe, einmal mit dir teilen:
Der Podcast „Chronisch gut“ mit Helene Anschütz
Die App Medicalmotion, die Achtsamkeit und online Phyisiotherapie anbietet

Auf dem Weg bleiben – ohne alle Antworten haben zu müssen

Ich habe noch nicht alle Antworten.

Aber ich weiß, dass ich auf dem Weg bin. Und vielleicht ist genau das genug.

Wenn du dich in diesen Gedanken wiedererkennst – zwischen Verantwortung, Erschöpfung und dem Wunsch, dich selbst nicht zu verlieren – dann bist du nicht allein.

Die sanfte Rebellion ist genau das:
Kein lauter Umbruch, sondern ein leiser, ehrlicher Weg zurück zu dir selbst.

Ich freue mich, wenn du deine Erfahrungen mit mir teilst – hier in den Kommentaren oder über das Kontaktformular.


Wenn du gerade im Dazwischen steckst: Hier findest du Texte über Warten, Nicht-Wissen und das leise Weiterleben dazwischen.

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ÜBER MICH

Hi, ich bin Nina –
Mama von zwei Jungs, mit einem Körper, der seine ganz eigenen Regeln hat,
und deine Begleiterin bei Die sanfte Rebellion.

Ich stehe selbst noch mitten im Prozess – auf meinem Weg zurück zu mir, zu mehr Echtheit, innerer Ruhe und einem Leben, was sich wieder stimmig anfühlt.
Dieser Blog ist mein Raum, um zu teilen, zu lernen und zu wachsen. Ein kleines Stück Rebellion gegen das reine Funktionieren, gegen das permanente „Müssen“ – und für ein Leben, das sich wieder echt anfühlen darf.

Hier findest du ehrliche Reflexionen, sanfte Inspiration und kleine, alltagstaugliche Schritte, die dich dabei begleiten, wieder bei dir selbst anzukommen. Ohne Perfektion – aber mit ganz viel Herz.

Vielleicht bist du hier, weil du dich nach einem Ort sehnst, an dem du nicht zuerst erklären musst, warum du müde bist.
Ein Ort, an dem du nicht „besser werden musst“, um willkommen zu sein.

Die sanfte Rebellion ist für mich kein lautes Dagegen, eher ein Zurück:
zurück in den Körper, zurück in ein Leben, das sich für dich wahr anfühlt.
Und es ist ein Mit:
mit dir – und allem, was dazu gehört -auf einer Reise zurück zu dir selbst.

Ich schreibe neben dir.
Ohne schnelle Lösungen, ohne Druck. Eher wie eine leise Umarmung: da, wenn du sie brauchst.

Du darfst mitnehmen, was dich stärkt und den Rest hier lassen. Alles kann, nichts muss.

Wenn du wissen möchtest, warum ich diesen Blog ins Leben gerufen habe, schau dich gern hier um.
Und wenn du Gedanken teilen, Fragen stellen oder einfach Hallo sagen möchtest: Ich freue mich sehr über jede Nachricht und jeden Kontakt.


RÄUME

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Jeder von ihnen öffnet einen eigenen Blick auf Themen wie Beziehung, Selbstverbundenheit, Orientierung und leise Veränderung.


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