Wenn der Kopf rast und der Körper leise stoppt

—

Über Tage, an denen nichts geht – und warum genau das okay ist

Es gibt Tage, da fühlt sich alles zäh an.
Der Kopf ist voll, die Gedanken springen, und trotzdem kommt man zu keinem klaren Punkt. Man weiß, dass man eigentlich funktionieren müsste – und spürt gleichzeitig, dass genau das heute nicht geht.

Heute ist so ein Tag für mich.

Heute Morgen hatte ich eine CT-Untersuchung. Heute Abend folgt ein weiteres MRT der Wirbelsäule. Und auch wenn ich sehr gut weiß, dass es wenig Sinn ergibt, sich über ungelegte Eier Gedanken zu machen – an solchen Tagen ist Wissen manchmal einfach zu leise.

Was für neue, unvorhergesehene Befunde bringt das CT mit sich? Hat sich der Morbus Bechterew verschlechtert – oder befinde ich mich gerade in einer ruhigeren Phase?
Und welche weiteren Untersuchung ergeben sich daraus?

Mein Kopf läuft auf Hochtouren. Nicht laut panisch, eher dauerhaft summend. Ein inneres Grundrauschen aus Was-wäre-wenn.

Ich habe gelernt, mit dieser Art von Unsicherheit umzugehen. Ich kann Sorgen wahrnehmen, ohne ihnen sofort alles zu überlassen. Aber an Tagen wie heute kostet das deutlich mehr Kraft.


Produktivität neu gedacht

An solchen Tagen fühlt sich selbst „produktiv sein“ falsch an.
Und gleichzeitig entsteht dieser innere Druck: Ich müsste doch zumindest irgendetwas schaffen.

Also habe ich mir heute bewusst Freiraum genommen.

Keine großen To-dos. Keine Erwartungen an mich selbst.
Stattdessen habe ich mich um einfache Dinge gekümmert:

  • Ich habe mich intensiver mit der Entwirrung des bevorstehenden Jahres beschäftigt (Wenn du nicht weißt, was ich mit „Entwirrung“ meine, dann kannst du das HIER nachlesen)
  • meine Instagram-Saves durchgesehen (hauptsächlich Rezepte – die ich irgendwann auch wirklich kochen werde)
  • kritisch hinterfragt, was auf meiner Liste wirklich wichtig ist – und was vielleicht einfach gehen darf

Es war kein klassisch produktiver Tag.
Aber es war ein ehrlicher.

Ich habe Dinge erledigt, ohne mich zu zwingen. Und genau darin lag heute meine Form von Selbstfürsorge.


Schreiben als Rückkehr zu mir

Jetzt sitze ich hier und schreibe.
Nicht, um etwas zu erklären. Sondern um meine Gedanken zu sortieren.

Schreiben hilft mir, wieder bei mir anzukommen. Mich aus dem Gedankenkarussell zurück ins Hier und Jetzt zu holen. Es ist kein Lösungsversuch – eher ein Ankommen.

Und weil ich weiß, dass solche Tage wiederkommen werden, möchte ich heute etwas teilen. Keine Anleitung. Keine Patentlösung. Sondern eine Sammlung von Dingen, die mir an unruhigen Tagen helfen.

Vielleicht ist auch für dich etwas dabei.


Sieben Dinge, die mir helfen, wenn alles innerlich laut ist

1. Bewusst atmen – ohne großes Ritual
Manchmal reichen zwei Minuten. Zum Beispiel die 4–7–8-Atmung:
4 Sekunden ein, 7 halten, 8 aus.
Nicht, um etwas „wegzumachen“, sondern um dem Körper zu signalisieren: Du darfst kurz runterfahren.

2. Etwas Kleines beenden
Eine Schublade. Eine Pflanze gießen. Eine E-Mail.
Nicht, um effizient zu sein – sondern um mir zu zeigen: Ich bin handlungsfähig.

3. Gedanken parken
Ich schreibe alles auf, was kreist. Unsortiert, ungefiltert.
Nicht zum Nachlesen – sondern zum Entlasten.

4. Digital einen Schritt zurück
Mein Handy macht an solchen Tagen alles schlimmer.
Weniger Input bedeutet oft mehr Ruhe.

5. Den Körper bewusst spüren
Ein warmes Fußbad. Eine Decke. Sanfte Bewegung.
Nicht gegen den Körper – sondern mit ihm.

6. Kreativ sein, ohne Ziel
Ein Moodboard, Farben, Bilder.
Manchmal sagen Bilder mehr als Worte.

7. Den Blick ein Stück nach vorne richten
Nicht groß. Nicht perfekt.
Ein Wunsch. Eine leise Hoffnung. Ein Gedanke daran, dass es auch wieder leichter wird.


Warum solche Tage dazugehören

Gerade als Frauen und Mütter sind wir es gewohnt, weiterzumachen.
Auch dann, wenn innerlich alles stockt.

Aber diese Tage sind kein Zeichen von Schwäche.
Sie sind ein Zeichen dafür, dass wir fühlen. Wahrnehmen. Ehrlich mit uns sind.

Vielleicht ist genau das die sanfte Rebellion:
Nicht immer zu funktionieren. Sondern bei sich zu bleiben – auch dann, wenn nichts „läuft“.

Bleib gut zu dir. 💛


Wenn dein Kopf ebenfalls manchmal schneller wird, während dein Körper längst nach weniger verlangt: Unter Nervensystem & Regulation habe ich weitere Texte über Gedankenkarusselle, Überforderung, Reize und meine persönlichen Wege zurück zu etwas mehr Ruhe gesammelt.

Schreibe einen Kommentar

● ÜBER MICH

Hi, ich bin Nina.

Mama von zwei Jungs, mit einem Körper, der seine ganz eigenen Regeln hat, und vielen Fragen an das Leben.

Auf Die sanfte Rebellion schreibe ich über das, was mich beschäftigt: chronische Krankheit, Beziehungen, Grenzen, Veränderungen und die kleinen Dinge, die das Leben heller machen.

Manchmal persönlich, manchmal nachdenklich, manchmal ganz praktisch. Nicht, weil ich auf alles eine Antwort habe, sondern weil ich selbst noch mittendrin bin.

Ich schreibe neben dir.

Alles kann, nichts muss.

Mehr über mich und mein Warum


● RÄUME

Sechs Räume für unterschiedliche Gedanken, Erfahrungen und Perspektiven. Vielleicht findest du hier etwas, das dich gerade beschäftigt.