Leben, Elternschaft und Kreativität ohne Selbstverlassen
Warum Selbstfürsorge ohne innere Erlaubnis nicht funktioniert
Weißt du, was ich jedes Jahr zu Beginn mache?
(Am Jahresende schaffe ich es zeitlich meist nicht.)
Ich entwirre mein Jahr.
Nicht nur das, was hinter mir liegt.
Sondern auch das, was vor mir liegt.
Vielleicht kennst du dieses Gefühl:
Dass unglaublich viel passiert ist – und du trotzdem kaum greifen kannst, was eigentlich alles war.
Dass du mitten im Leben steckst, funktionierst, hältst, trägst – und erst im Rückblick spürst, wie sehr du dich verändert hast.
Dieses jährliche Entwirren ist für mich zu einem festen Ritual geworden.
Im Englischen heißt es Unravel Your Year – und ja, das klingt weicher, offener.
Die Autorin Susannah Conway stellt dafür seit vielen Jahren ein Workbook zur Verfügung. Mich begleitet dieses Ritual nun schon fast ein Jahrzehnt.
Und jedes Jahr aufs Neue erlebe ich:
Erst im Rückblick wird sichtbar, was sich wirklich bewegt hat.
Wenn ich mitten im Jahr stecke, fühlt es sich oft an, als würde ich auf der Stelle treten.
Doch wenn ich innehalte, sehe ich:
- was ich gemeistert habe
- wo ich Umwege gegangen bin
- und dass manche dieser Umwege mich näher zu mir selbst geführt haben als jeder gerade Weg
Ich sehe schwarz auf weiß:
Am Ende eines Jahres bin ich nicht mehr dieselbe Person wie zu Beginn.
Mit dem Schwierigen sitzen – ohne es wegzumachen
Dieses Zurückschauen ist nicht nur schön.
Es ist ehrlich.
Es lädt mich ein, mich an die leichten Momente zu erinnern –
aber auch bei den schweren zu bleiben, ohne sie sofort erklären oder relativieren zu müssen.
2025 war für mich ein Jahr, das stark von meinen Diagnosen geprägt war.
Ein Jahr, das mit Ungewissheit begann und sich zur Jahresmitte von einem Tag auf den anderen radikal verändert hat.
Darüber zu schreiben tut mir noch immer weh.
Weil ich das Gefühl habe, dass ich mir bisher nicht genug Zeit genommen habe, um den Verlust einer Nina zu betrauern, die lange selbstverständlich da war.
Und gleichzeitig – paradoxerweise – empfinde ich tiefe Dankbarkeit.
Ich lerne meinen Körper neu kennen.
Ich spreche mit Expert:innen.
Ich bekomme Medikamente und Werkzeuge an die Hand, um meinen Alltag anders zu gestalten.
Ich lerne zu entschleunigen.
Und ich beginne, die Warnzeichen meines Körpers ernst zu nehmen – nicht als Feinde, sondern als Verbündete.
Auch das gehört zum Entwirren:
loslassen, vergeben – mir selbst und anderen.
Und während ich diese Seiten fülle, wird mir bewusst, wie viele Menschen mich auf dieser neuen Lebensreise begleiten.
Nicht immer mit den richtigen Worten.
Nicht immer mit Sicherheit.
Aber mit Präsenz.
Auch dafür empfinde ich tiefe Dankbarkeit.
So bleibt am Ende dieses Rückblicks ein leiser, aber klarer Gedanke:
Egal wie schwer ein Jahr war – es gab so vieles, wofür es sich lohnt, hier zu sein. Jetzt.
Ein Wort als Kompass
Im zweiten Schritt richtet sich der Blick nach vorn.
Beim Entwirren geht es bewusst nicht darum, klassische Ziele zu setzen.
Es geht vielmehr darum, ein Wort zu finden, das dich durch das kommende Jahr begleitet.
Ein Wort, das wie ein innerer Kompass wirkt.
Das bei Entscheidungen leise mitläuft.
Und dich immer wieder an deinen Nordstern erinnert.
Ich arbeite innerlich oft auf Englisch – das ist meine Sprache für Tiefe.
Doch dieses Jahr habe ich mir bewusst die Zeit genommen, meine Wörter ins Deutsche zu übersetzen.
Und ich war überrascht, wie stimmig sie sich auch hier anfühlen.
Mein innerer Kompass für 2026
Nordstern: Ganzheit
Wort für 2026: Zugehörigkeit
Tägliche Praxis: Erlaubnis
Ganzheit ist das Ziel, auf das ich mich zubewege.
Zugehörigkeit ist das, was mich dort hält.
Erlaubnis ist das, wodurch mein Körper sich sicher genug fühlt, diesen Weg zu gehen.
Was ich damit zeigen möchte:
Es liegt eine stille Kraft darin, sich ein Wort zu erlauben.
Nicht als Vorgabe.
Nicht als Anspruch.
Sondern als Einladung.
Wenn du es selbst ausprobieren möchtest, findest du das Workbook von Susannah Conway HIER. Es ist auf Englisch, aber der Prozess funktioniert weit über Sprache hinaus.
Mein Manifest für Ganzheit in Stücken
Ich gehöre mir selbst.
Nichts in mir muss repariert werden, damit ich bleiben darf.Ich bewege mich im Tempo von Vertrauen, nicht von Dringlichkeit.
Ich ruhe ohne Entschuldigung.
Ich erschaffe ohne Rechtfertigung.Ich erlaube, was ist.
Ich schließe alle Teile ein.
Ich darf ganz sein in Stücken.Ganzheit ist das Ziel, dem ich entgegengehe.
Zugehörigkeit ist, wie ich bleibe.
Erlaubnis ist, wie mein Körper sich sicher genug fühlt, diesen Weg zu gehen.
Was nehme ich mit nach 2026?
Ich möchte mich auf Selbsttreue statt Selbstoptimierung fokussieren.
Ich möchte besser verstehen, warum ich mich im Alltag manchmal selbst verlasse –
und was mir hilft, wieder zu mir zurückzufinden.
Was bedeutet heilsame Langsamkeit in einem Leben mit chronischer Krankheit?
Wie kann Kreativität Raum haben, ohne an Leistung gekoppelt zu sein?
Ich möchte Ganzheit jenseits von Perfektion erforschen.
Meine Lichtseiten – und meine Schatten – als Ressource begreifen.
Und verstehen, warum Heilung kein Ziel ist, sondern ein Raum. So wie auch Glück.
Und ich möchte mich dem Thema Elternsein ohne Selbstaufgabe widmen.
Grenzen als Akt von Liebe.
Als Vorbild.
Als Einladung an meine Kinder, sich selbst nicht zu verlieren.
Wie kann Selbstzugehörigkeit Co-Regulation möglich machen?
Und was verändert sich, wenn wir aufhören, uns selbst zu übergehen?
Ich bin nicht kaputt.
Ich bin ganz in Stücken.
Gehst du mit mir auf diese sanft-rebellische Reise in 2026?
Wenn du magst, teile gern dein Wort für dieses Jahr – hier in den Kommentaren oder über das Kontaktformular.
Ich lese jede Nachricht und antworte von Herzen.
Dieser Blog ist kein Projekt für mich.
Er ist mein Zuhause.
Und ich habe beschlossen, nicht mehr auszuziehen.
Er ist mein Raum für Heilung in 2026.
Wenn du mehr über meine Diagnosen erfahren möchtest, findest du HIER einen eigenen Beitrag dazu.
Wenn du dich zwischendurch selbst verlierst: Hier sind Texte, die dich leise zurück zu dir begleiten – Schritt für Schritt, ohne Zielgerade.




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