Schmerz als Begleiter – und die leise Kunst, gut für mich zu sorgen
Schmerzen beeinflussen Energie, Laune, soziale Aktivitäten. Manchmal fühlt es sich an, als würden sie das ganze Leben mitregieren – meinen Blick auf mich selbst genauso wie meinen Blick auf andere. Und manchmal bringen sie mich an einen Punkt, an dem ich kurz denke:
Wie halte ich das aus, ohne innerlich zu zerbrechen?
Chronische Schmerzen im Alltag: Wenn alles mitschwingt
Schmerz zeigt Grenzen. Nicht immer die, die ich sehen will. Manchmal ist er aber auch so etwas wie eine Erinnerung – nicht schön, nicht romantisch, eher nüchtern: Achte auf dich. Mach langsamer. Mach Pause. Und du musst dich dafür nicht rechtfertigen.
Ich bin nach wie vor nicht der größte Fan meiner Schmerzen. Aber wir haben uns – so gut es eben geht – arrangiert. Er gehört zu mir. Und ich übe, auf ihn zu hören, wenn er vorbeikommt. Nicht als Kapitulation. Eher als ein vorsichtiges Zurückschalten.
Schmerzmanagement zwischen Hoffnung und Realität
In den letzten Wochen sind meine Schmerzen wieder deutlich stärker geworden. Ich greife häufiger zu zusätzlichen Schmerzmitteln – nicht nur einmal am Tag, sondern inzwischen in der Maximaldosis, zweimal. Mein Rheumatologe hat vorgeschlagen, ein anderes Medikament auszuprobieren, vielleicht hilft es besser. Und da ist diese große Hoffnung auf Biologika, auf die ich leider noch immer warte.
Warten auf Biologika: Leben im Dazwischen
Der Prozess, diese Medikamente hier in England zu bekommen, ist komplex. Über das Privatsystem sind sie nicht zu beziehen. Also läuft alles über viele Schritte im öffentlichen System. Und ich bin damit noch immer in diesem Dazwischen: Ich kann mir noch nicht richtig vorstellen, wie „die andere Seite“ aussieht. Im Moment ist mein Fokus eher hier:
Was macht die nächste Umstellung mit meinem Körper?
Nebenwirkungen und Verlustgefühl: Wenn der Körper nicht mitzieht
Die letzte Umstellung hat mich drei Monate lang begleitet wie ein Schatten: Übelkeit, wenig Hunger – und am Ende fünfzehn Kilo weniger. Für manche klingt das nach einem schnellen Traum. Und ja, ein Teil von mir ist erleichtert, dass etwas vom Babygewicht gegangen ist. Aber während mein Umfeld sagte, wie toll ich aussehe, habe ich mich vor allem unendlich schwach gefühlt. Dieser Gewichtsverlust hat sich nicht nach Erfolg angefühlt, sondern nach Verlust. Nach „alte Nina“ – die irgendwo unterwegs leiser geworden ist.
Und gleichzeitig ist da etwas, das ich noch nicht richtig benennen kann: Vielleicht ist das hier auch ein Anfang. Kein leichter Anfang. Eher so ein widersprüchlicher: ein Leben, das leichter wirkt – und sich doch schwer anfühlt.
Eine neue Dunkelheit, die aber auch von neuem Licht durchzogen ist.
Die alte Nina loslassen: Ein neues Leben mit chronischer Krankheit
Ich lerne gerade, die alte Nina loszulassen und eine neue Nina kennenzulernen.
Eine, die ihren Fokus häufiger auf Möglichkeiten legt als auf Limitationen. Nicht immer. Nicht jeden Tag. Aber immer öfter.
Verhaltenstherapie bei chronischen Schmerzen: Meine ersten Werkzeuge
Zu meinen Schmerz-Strategien gehört aktuell auch eine Verhaltenstherapie. Dort sammele ich Werkzeuge, die mir helfen, mich weniger hilflos zu fühlen. Nicht alles passt zu mir. Ich kann meine Schmerzen zum Beispiel nicht als „großen Ball Licht“ sehen, der aus mir herausfließt. Aber was überraschend gut klappt, ist das Wegatmen: Alles unterhalb meines Kopfes habe ich gelernt, ein Stück weit „wegzupusten“. Sind die Schmerzen danach weg? Nein. Aber ich kann in diesem Moment anders mit ihnen sein – und fühle mich nicht nur als Opfer von etwas, das über mich hinwegrollt.
Wenn der Kopf schmerzt: Warum ich einen Notfallplan brauche
Schmerzen, die meinen Kopf betreffen, kann ich nicht wegatmen. Und ehrlich gesagt gibt es kaum noch etwas – auch kaum noch Schmerzmittel –, das gegen diese migräneartigen Kopfschmerzen wirklich zuverlässig hilft. Also habe ich mir dafür einen Notfallplan gebaut.
Er ist noch nicht perfekt. Noch nicht ganz umgesetzt. Aber er ist da. Und das allein ist schon etwas.
(Im nächsten Beitrag teile ich diesen Notfallplan: eine sanfte 30–60-Minuten-Routine für Tage, an denen wirklich nichts mehr geht.)
Wenn du gerade im Dazwischen steckst: Hier findest du Texte über Warten, Nicht-Wissen und das leise Weiterleben dazwischen.
Wenn du mehr Texte über Muttersein mit chronischer Erkrankung suchst – ohne Druck und ohne Perfektionsanspruch – findest du sie hier gesammelt.




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