In der 3. Episode unseres Podcasts Danach ist ein Leben spreche ich über drei Wendepunkte, die mein Leben verändert haben. Beim Sprechen wurde mir noch einmal deutlich, wie sehr diese Erfahrungen bis heute in mir nachwirken.
Deshalb möchte ich ihnen auch hier im Blog Raum geben – etwas stiller, etwas sortierter und mit dem Abstand, den Schreiben manchmal möglich macht.
Das Leben hat anders geantwortet, als ich es geplant hatte – und ich lerne trotzdem, darin mein Leben zu lieben.
Mein Leben hat sich in den letzten zehn Jahren sehr verändert. Ich bin nicht mehr die Nina, die ich damals war. Und das erfüllt mich mit Dankbarkeit. Für all die Erfahrungen, die ich machen durfte. Für die Entwicklung, die ich zugelassen habe. Und für das Leben, das ich mir rückblickend Schritt für Schritt aufgebaut habe.
Ich dachte lange, ich könnte mein Leben planen. Rückblickend gab es aber diese Momente, in denen das Leben ganz eigene Entscheidungen getroffen hat. Und ich habe gemerkt: An manchen Stellen lässt sich das Leben nicht verhandeln.
Es kamen Brüche.
Dann kam Angst.
Dann kam Ohnmacht.
Und irgendwann kam nicht die Kontrolle zurück, sondern etwas anderes: Annahme, Dankbarkeit und eine neue Tiefe.
Der erste Wendepunkt: Als mir gesagt wurde, ich könne wahrscheinlich keine Kinder bekommen
„Sie werden wahrscheinlich keine Kinder bekommen können.“
Noch heute weiß ich nicht, wie sich ein Arzt zu so einer Aussage hinreißen lassen konnte, ohne eine sichere zugrunde liegende Diagnose. Denn solche Sätze über den eigenen Körper prägen. Besonders in den Zwanzigern, wenn man innerlich noch längst nicht so gefestigt ist, wie man vielleicht nach außen wirkt.
Und trotzdem habe ich die Hoffnung auf eine Schwangerschaft nie ganz losgelassen. Nicht einmal dann, als wir im dritten Jahr unserer Ehe noch immer nicht schwanger waren.
Umso überraschender war dann der Zufallsbefund Endometriose – und die Schwangerschaft, die kurz darauf folgte.
In der großen Freude darüber habe ich mich damals kaum damit auseinandergesetzt, wie sehr mich die neue Mutterrolle verändern würde. Der Verlust meiner eigenen Identität in dieser neuen Rolle kam nicht laut. Er schlich sich langsam ein – und hatte mein Leben doch irgendwann fest im Griff.
Mein Sohn kam noch vor Corona zur Welt. Drei Monate später waren wir plötzlich im Haus, abgeschnitten von vielem, und ich war allein mit dieser neuen Welt an Gefühlen. Mit Emotionen, die unerwartet waren und die ich selbst noch nicht einordnen konnte. Ich habe mich in dieser Zeit sehr isoliert und einsam gefühlt.
Der zweite Wendepunkt: Als aus einem Familienplan etwas ganz anderes wurde
Ich kann nicht sagen, dass mich das besser auf die ungeplante zweite Schwangerschaft vorbereitet hätte – auch wenn sie für mich ein kleines Wunder war, weil die Endometriose nach der ersten Schwangerschaft nicht zurückgekehrt war.
Mit dem zweiten Kind veränderte sich unsere Familienrealität noch einmal komplett. Ich hätte nie damit gerechnet, dass ein zweites Kind sich wie eine kleine Tsunamiwelle anfühlen kann. Eine Welle, die erst einmal alles mitnimmt, was man bisher kannte, und mich weit außerhalb meiner Komfortzone im kalten Wasser zurückließ.
Ich erinnere mich noch genau an einen Moment. Ich war mit beiden Kindern allein zu Hause. Beide haben geweint, weil sie mich brauchten. Und in diesem Augenblick habe ich verstanden, dass ich nicht mehr beiden gleichzeitig so gerecht werden konnte, wie ich es mir gewünscht hätte.
Also habe ich erst einmal mit ihnen geweint. Und dann habe ich mich Schritt für Schritt vorangetastet.
Auch in diese Rolle bin ich hineingewachsen. Aber nicht ohne Tränen, Unsicherheiten, Schmerzen, Kontrollverluste und neue Erfahrungen.
Der dritte Wendepunkt: Als mein Körper nicht mehr leise war
Lange mit unsichtbaren Krankheiten zu leben, die niemand richtig sieht, prägt auf eine ganz eigene Weise.
Nach dieser kleinen Tsunamiwelle habe ich schnell gemerkt, dass ich nicht mehr richtig funktionierte. Da war wieder Unsicherheit. Ich konnte nicht erklären, was mit mir passiert. Und ich musste lernen, dass es Krankheiten gibt, die nicht heilbar sind. Dinge, die bleiben. Chronisches.
Diese schicksalhaften Wendepunkte in meinem Leben haben mir gezeigt, wie schnell Pläne kippen können. Und doch geht das Leben weiter. Liebe, Alltag, Leben – all das geht weiter.
Nicht dieses „Alles ist toll und das Leben ist ein bunter Regenbogen“ hat mir durch schwierige Zeiten geholfen. Sondern Selbstwirksamkeit. Das Wissen darum, wo ich noch einen eigenen Anteil an meiner Situation habe. Was ich selbst beeinflussen kann. Was ich selbst wähle.
Es gibt für mich keinen positiven Mindset-Trick. Ich habe nur erkannt, dass ich sehr wohl mitentscheide, wie ich mit den Schicksalsschlägen in meinem Leben umgehe. Ich habe mich dafür entschieden, dass sie nicht mein Leben bestimmen. Sie begleiten es. Aber was mein Leben prägt, bin ich. Wie ich es jeden Tag wähle zu leben.
Ich weiß, dass ich morgens oft steif aus dem Bett komme. Mein Knie ist häufig schon steif, wenn ich abends länger als eine Stunde auf dem Sofa gesessen habe. Mittlerweile habe ich gelernt, wie ich dann wieder in Bewegung komme. Morgens hilft mir eine warme Dusche sehr. Sie entspannt meine Muskeln und nimmt einen Teil dieser Steifigkeit. Der Rest löst sich meist mit der Bewegung im Laufe des Tages – wenn ich nicht zu lange sitze.
Was mein Körper mich gelehrt hat
Mein Körper hat mich noch etwas gelehrt, das ich früher zwar in der Theorie wusste, aber nie wirklich gelebt habe: Wenn ich für andere da sein möchte, muss ich lernen, mich zuerst um mich selbst zu kümmern.
Ich muss meine Batterien aufladen. Ich muss darauf achten, dass meine Energie auch am Nachmittag noch für die Kinder reicht.
Natürlich ist das immer noch ein Prozess. Ein Weg, auf dem ich weiter lerne. Aber allein die Zeit, die ich mir heute für das Schreiben und Teilen meiner Geschichte nehme, gibt mir viel Energie. Und dafür bin ich dankbar.
Ich habe eine tiefe Dankbarkeit für gute Tage entwickelt. Ich bin ruhiger geworden. Ich sehe das Leben heute durch eine andere Brille. Es ist langsamer geworden – aber nicht weniger erfüllt.
Über Endlichkeit, Liebe und das, was bleibt
Diese Veränderung hat mich auch dazu gebracht, mich mit meiner eigenen Endlichkeit auseinanderzusetzen. Und so schwer dieses Thema für mich lange war, so bereichernd war es am Ende auch.
(Mehr dazu kannst du in diesem Blogartikel lesen.)
Liebe prägt. Im besten Sinn. Über Zeit und Endlichkeit hinaus.
In einem neuen Land noch einmal von vorn
Diese Art von Isolation, die ich bei meinem ersten Kind gespürt habe, spürt man auch, wenn man in ein neues Land zieht. Die ersten Monate sind oft davon geprägt, dass man trotz aller Mühe noch kein wirklicher Teil der neuen Umgebung ist. Neue Beziehungen brauchen Zeit.
Mit zwei kleinen Kindern erlebt man das noch einmal anders. Denn man möchte nicht nur selbst ankommen, sondern auch den Kindern helfen, sich sicher und verbunden zu fühlen.
Letztlich hat es über ein Jahr gedauert – was ich von früheren Umzügen schon kannte –, bis wir ein Netzwerk aufgebaut hatten, das uns trägt. Die Kinder haben Freunde gefunden, mit denen sie unglaublich gern Zeit verbringen. Unser Haus ist ihr Zuhause geworden. Der Große liebt die Schule, und der Kleine hat eine neue beste Freundin gefunden.
Der Spielplatz vor der Haustür – genauso wie die Schule – ist unter der Woche zu einem echten Mittelpunkt geworden. Besonders jetzt, wo das Wetter wieder wärmer wird. Und ich möchte meinen Kindern das gerne ermöglichen, auch wenn mich solche Spielplatztreffen viel Energie kosten.
(Mehr dazu kannst du in diesem Blogbeitrag lesen.)
Ich habe das Bedürfnis, das Leben nicht mehr aufzuschieben.
Ich hätte mir manche Wendepunkte in meinem Leben nicht ausgesucht. Aber sie haben mich näher an mein eigenes Leben geführt.
In unserer 3. Podcastfolge spreche ich mit Angie ausführlicher über genau diese drei Wendepunkte. Vielleicht magst du auch dort noch ein Stück mit mir weitergehen.
Wenn du tiefer eintauchen möchtest: Hier findest du alle bisherigen Folgen – gesammelt in unserem Podcast-Raum.
Wenn du magst, begleite ich dich auch zwischen den Texten.




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