Manchmal sind es nicht die lauten Umbrüche, die etwas verändern.
Sondern der leise Moment, in dem der Körper sagt: So geht es nicht mehr.
Dieser Text ist kein Plädoyer für perfekte Selbstfürsorge.
Sondern eine Einladung, sich selbst wieder wichtiger zu nehmen –
besonders dann, wenn das Leben ohnehin schon viel verlangt.
Self-Care für Mütter – besonders mit chronischer Erkrankung
Es gibt Wahrheiten, die man versteht, lange bevor man sie lebt.
Und dann gibt es Wahrheiten, die der Körper irgendwann unausweichlich einfordert.
Meine rheumatischen Autoimmunerkrankungen haben genau das getan.
Sie haben mich gezwungen, mich selbst ernst zu nehmen.
Mich zu priorisieren.
Self-Care nicht mehr als „nice to have“ zu betrachten, sondern als Grundlage.
Das ist mir vorher unendlich schwer gefallen.
Denn als Mama gibt es immer etwas zu tun. Immer jemanden, der etwas braucht. Und es ist erschreckend leicht, sich selbst dabei still und zuverlässig ans Ende der Liste zu schieben.
Dabei ist dieser Satz eigentlich so klar:
Immer zuerst sich selbst die Sauerstoffmaske aufsetzen.
Nicht aus Egoismus – sondern weil man sonst irgendwann niemandem mehr helfen kann.
Ich wünsche mir für jede Mama (und jeden Papa), dass es keine chronische oder unheilbare Erkrankung braucht, um das zu erkennen.
Stress, Immunsystem und die unsichtbare Belastung
Viele Übersichtsarbeiten und Bevölkerungsstudien zeigen:
Autoimmunerkrankungen haben in vielen Regionen zugenommen – und Frauen sind deutlich häufiger betroffen.
Psychosozialer Stress, chronische Belastung, traumatische Erfahrungen: All das wird in der Forschung immer wieder als mitverursachender oder verstärkender Faktor beschrieben. Nicht als alleinige Ursache – die Entstehung autoimmuner Erkrankungen ist komplex und multifaktoriell. Genetik, Infektionen, Umweltfaktoren, Hormone, Ernährung, Klima oder Post-COVID-Effekte spielen ebenfalls eine Rolle.
Aber:
Stress beeinflusst nachweislich das Immunsystem.
Akut wie chronisch.
Er verändert Immunparameter, stört Regulationsmechanismen und kann Entzündungsprozesse verstärken.
Gerade bei Erkrankungen wie Lupus, Sjögren, Autoimmunthyreoiditis oder rheumatoider Arthritis zeigt sich ein deutlicher Frauenüberschuss. Hormonelle Unterschiede und geschlechtsspezifische Immunreaktionen werden als mögliche Erklärungsansätze diskutiert.
Das bedeutet nicht: Stress ist schuld.
Aber es bedeutet:
Stress ist ein Faktor, den wir – zumindest teilweise – beeinflussen können.
Und genau hier beginnt meine sanfte Rebellion.
Erwartungen loslassen – ein Akt von Selbstschutz
Für mich heißt Self-Care heute vor allem eines:
Mich nicht mehr von den Erwartungen anderer stressen zu lassen.
Sie haben eine Erwartung.
Das ist erst einmal ihr Thema.
Wenn ich sie nicht erfüllen kann oder möchte, dann ist das in Ordnung.
Ganz konkret bedeutet das zum Beispiel:
- Ich bügle keine Wäsche mehr, nur weil das in meiner Herkunftsfamilie üblich war.
- Meine Kinder tragen keine bestimmten Farben oder Marken, nur weil es „schicker“ aussieht.
Sie sind Kinder. Sie dürfen sich selbst aussuchen, was sie anziehen.
Passt das farblich immer zusammen? Nein.
Macht es sie glücklich? Ja. - In Schubphasen bleibt der Haushalt liegen.
Die frisch gewaschene Wäsche lebt dann manchmal eine Weile im Korb.
Ist sie zerknittert? Absolut.
Stört mich das noch? Ehrlich gesagt: nein.
Und wenn es jemand anderen stört – dann ist das nicht mein Problem.
Kleine Inseln statt großer Konzepte
Self-Care bedeutet für mich nicht Wellness-Wochenenden oder perfekt eingehaltene Routinen.
Es sind Mini-Gewohnheiten, die sich tragen lassen – auch an schlechten Tagen.
Ich schreibe jeden Tag in mein Five-Year-Diary und mein Glasmomente-Buch.
Ich halte fest, was mich bewegt. Und fast immer auch das, wofür ich dankbar bin.
Dankbarkeit erdet mich.
Sie holt mich zurück ins Hier und Jetzt.
Sie hilft mir, hoffnungsvoll zu bleiben – auch dann, wenn mein Körper gerade nicht kooperiert.
Meine Krankheiten werden vielleicht eines Tages heilbar sein.
Aber schon jetzt haben sie mir etwas geschenkt:
die Fähigkeit, mich selbst nicht mehr ständig zu übergehen.
Ohne sie gäbe es diesen Blog nicht.
Ohne sie hätte ich wahrscheinlich nie gelernt, mich zu priorisieren.
Und genau dadurch kann ich heute eine präsentere Mama, eine ehrlichere Partnerin und eine achtsamere Freundin sein.
Selbstfürsorge ist kein Luxus. Sie ist Voraussetzung.
Self-Care sieht für jede anders aus.
Was mir hilft, muss für dich nicht passen.
Aber ich glaube fest daran:
Sich selbst ernst zu nehmen ist kein Egoismus.
Es ist Verantwortung. Für dich – und für die Menschen, die dich brauchen.
Und vielleicht ist genau das die leiseste, aber wirksamste Form von Rebellion.
Was würde sich in deinem Alltag verändern, wenn du dich selbst ein kleines Stück weiter nach oben auf deine Prioritätenliste setzen dürftest?
Wenn du dich zwischendurch selbst verlierst: Hier sind Texte, die dich leise zurück zu dir begleiten – Schritt für Schritt, ohne Zielgerade.




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